Irritation und Resonanz

vom 5. Februar 2015

Von der Irritation und Resonanz zur professionellen Aktion im Führungsalltag

In unserer Ausbildung zum systemischen Coach, aber auch in unseren Führungsworkshops und -coachings sprechen wir von Resonanz/Irritation als wichtige Bausteine für das professionelle Führen. Beides hat mit Fühlen zu tun. Beides ist schneller als unser rationaler Kopf. Beides hilft, komplexe Situationen zu erfassen.
Aber wie geht das professionell?
Zu den Begriffen:
Resonanz bezeichnet in der Physik das verstärkte Mitschwingen eines schwingfähigen Systems. In unserem Sinne bedeutet Resonanz, dass Gefühle (in unserem schwingfähigem Eigensystem) ausgelöst werden durch Vorgänge, die um uns herum passieren. „Wenn alle in einem Team traurig sind, weil der beliebte Teamleiter eine andere Stelle angenommen hat, spüren wir als Moderator/Coach in uns auch Trauer“. Wir gehen in Resonanz. Diese kann entstehen, weil wir eben auch Erfahrung mit Abschied haben.
Resonanz ist also ein zentrales Instrument im Führungs- und Coachingalltag.
Achte auf Deine Resonanzen.

Irritation bezeichnet einen Reiz oder eine Erregung. In unserem Sinne merken wir ein „huch, was ist das denn!“ oder „komisch, passt nicht!“…. dies läuft auch auf der emotionalen Seite ab. Eine solche Irritation kann auch auftauchen, wenn im inhaltlichen Sinne alles in Ordnung erscheint.
Im Führungsalltag sind Irritationen Anzeiger für etwas, was nicht in Ordnung ist. Gewöhnlich wischen wir Irritationen weg. Wir können diese aber auch als Indikatoren nehmen, und dann die Überprüfung starten, an welcher Stelle es im System Störungen gibt.
Höre auf Deine Irritationen und nimm sie ernst.

Empfange ich Resonanzen und habe ich mit wiederkehrenden Irritationen zu tun gibt es eine professionelle Umgangsweise: Die systemische Team/Systemanalyse

Dieses Instrument lässt sich in Teams, aber genauso für ganze Organisationen verwenden. Hier will ich am Beispiel eines Teams zeigen, wie man vorgehen kann:

Sie haben mit wiederkehrenden Irritationen zu tun. Auch wenn Sie darüber nachdenken, lösen sich diese nicht auf.
Dann fertigen Sie eine Skizze an, wie auf der folgenden Seite gezeigt. Zeichen Sie alle Beteiligten mit Ihren Funktionen ein. Berücksichtigen Sie auch die Einflüsse anderer Teams, Chef, Abteilungen möglicherweise Kunden etc. …

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Indem Sie ein solches Bild anfertigen bekommen Sie eine Übersicht auf die beteiligten Personen und Kräfte, die in Ihrem Team wirken. Um nun diese Kräfte genauer definieren zu können, zeichnen Sie in Ihr Bild das Beziehungsgeflecht ein.
Bedienen Sie sich dabei der systemischen Symbolsprache:

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Gehen Sie beim Einzeichnen des Beziehungsgeflechtes subjektiv vor. Es geht nur darum Ihre persönliche Sichtweise aufs Papier zu bringen.
Zur Erläuterung: eine Allianz ist für den Teamablauf durchaus unschädlich, während eine Koalition (=starke Verbindung mit dem Zweck gegen einen Dritten vorzugehen) jedes Team zerstört. Ihr Bild könnte etwa so aussehen:

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Mit Hilfe dieses Bildes können Sie erkennen, an welcher Stelle und welcher Reihenfolge zu handeln ist:
Die Beziehungen die als „normal“ gekennzeichnet sind, können Sie vernachlässigen.
Um eine Koalition (Carla + Anne gegen Lisa) müssen Sie sich schnell kümmern. Handeln müssen Sie auch bei der gestörten Beziehung (Chef/Teamleiter).

Möglicherweise müssen Sie Allianzen (Klaus/Hans) überprüfen. Vielleicht wurde Ihre Irritation auch im Konflikt zum Team X erzeugt.
Erst nach dieser Teamsystemanalyse kommen Sie in die Phase der Planung von Aktionen:
Achten Sie darauf, dass jede Aktion an der falschen Stelle im System das Chaos vergrößert!

An welcher Stelle im System sollte gehandelt werden?
Welche Personen müssen angesprochen werden?
Wie ist die beste Ansprache?

Der Weg geht von der Emotion und Intuition in Richtung Metaebene, also der Betrachtung von „Wie arbeiten wir zusammen“!
Der Zwischenschritt der Teamsystemanalyse ist das professionelle Vorgehen im Führungsalltag.

Informationen zur Ausbildung zum systemischen Coach.

 

Artikel von Clemens Lücke

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